Was haben Kohlenhydrate mit Eisenmangel zu tun?

Warum Kohlenhydratmangel Eisenmangel auslösen kann?Eisenmangel durch zu wenig Kohlenhydrate im Sport? Caroline Rauscher erklärt in ihrem Artikel die Zusammenhänge.

 

 

Eisen ist mengenmäßig das häufigste Spurenelement im Körper. Rund vier Gramm bzw. 2,5 Gramm Eisen sind bei Männer und Frauen im Körper.

 Vielfältige Aufgaben von Eisen in unserem Körper

Eisen stellt den Baustoff für den roten Blutfarbstoff Hämoglobin dar und spielt dadurch eine wichtige Rolle für die Sauerstoffübertragung im zellulären Energiestoffwechsel. Es emöglicht mehr als 180 biochemische Reaktionen – es stabilisiert das Immunsystems und die L-Carnitin Biosynthese, es hat Einfluss auf die Gefäßreaktivität und es ist wichtig für die Signalübertragung der Nervenzellen, um nur einige wichtige Funktionen aufzuzählen. Neben diesen Aufgaben ist eine gute Eisenversorgung unverzichtbar für unsere mentale Leistungsfähigkeit. Das Spurenelement ist beteiligt an der Bildung von sogenannten Neurotransmittern, sprich Botenstoffen, die im Gehirn unter anderem wichtig sind für unsere kognitive und mentale Leistungsfähigkeit. Der Aufbau von Kollagenfasern bei der Regeneration von Bindegewebe, Knorpel- und Knochenstrukturen sowie die Fettsäuresynthese benötigt ebenfalls das Spurenelement Eisen. Wichtige adaptive Prozesse im Kraftbereich hängen zudem von einer ausreichenden Eisenversorgung ab.

Ursachen von Eisenmangel im Sport

Die Ursachen für Eisenmangel bei Sportlern sind, wie man weiß, vielfältig: Blutverluste bei Frauen durch die Menstruation, Verluste im gastrointestinal Trakt und über den Schweiß zum Beispiel bei Langstreckenläufern. Eben so sind Schmerzmittel (NSAR) und Entzündungen Eisenräuber.

Kohlenhydratspeicher und Eisen:
Kohlenhydrate wirken sich positiv auf den Eisenstoffwechsel aus

Die Größe der Kohlenhydratspeicher in der Muskulatur beeinflusst den Anstieg von entzündungsfördernden Stoffen in der Muskulatur und dadurch den Eisenstoffwechsel.

Mechanismus: Intensive sportliche Belastungen führen zu akuten Entzündungen im Körper. Einen großen Einfluss auf die möglichen Auswirkungen, haben in diesem Zusammenhang die Glykogenspeicher im Körper während und nach der Belastung: Während sportlicher Anstrengung erhöht sich der Ausstoß von Interleukin 6  – es gehört zur Gruppe der Zytokine, Proteine die bei Entzündungsreaktionen auftreten.
Dieser Stoff wird vor allem von der sich kontrahierenden, sprich der arbeitenden Muskulatur gebildet. Aufgabe von Interleukin 6 ist in dieser Situation, quasi in hormonartige Wirkung, die Bildung von Glucose in der Leber zu stimulieren, um die notwendige Energie für die Belastung bereitzuhalten. Das Ausmaß, wie viel Interleukin 6 ausgestoßen wird, hängt mit der Größe der Glykogenspeicher zusammen: je besser die Speicher gefüllt sind, desto schwächer ist der Anstieg von Interleukin 6, da genügend Energie verfügbar ist. Sind nach der Belastung die Interleukin-Spiegel noch erhöht, triggert dies die körpereigen Produktion von Hepcidin* um bis zu 57 Prozent über dessen Ausgangswert. Die Folge ist, eine verschlechterte Eisenaufnahme, Eisenfreisetzung  und Recycling von Eisen in bestimmten Zellen.

*Hepcidin ist ein Protein, das in der Leber produziert wird. Es spielt eine zentrale Rolle im Eisenstoffwechsel, indem es den Eisentransporter hemmt und dadurch sowohl die Eisenaufnahme im Darm als auch die Eisenfreisetzung hemmt. Entzündungen und Eisenaufnahme erhöhen die Produktion dieses Proteins.

Werden dem Körper nach intensiven Belastungen sofort angepasster Menge Kohlenhydrate zugeführt, kann in der Regenerationsphase diesem Mechanismus entgegengewirkt werden. Somit haben Kohlenhydrate neben der Energiebereitstellung, dem Schutz des Immunsystems und der Knochen, auch positiven Einfluss auf den Eisenstoffwechsel bei Sportlern.

 

Caroline Rauscher ist studierte Pharmazeutin mit Weiterbildung im Bereich Ernährung. Sie besitzt fundierte Kenntnisse im Bereich der Leistungsphysiologie. Ihre Kontakte zu weltweit führenden Forschern nutzt sie u.a. für eine optimale und individuelle Konzeption von Sportgetränken, für die Herstellung von Mikronährstoffen je nach Bedarf eines Sportlers sowie für die Ernährungsberatung von Profis und Amateuren. Sie betreut international erfolgreiche Winter- und Sommersportler. Darunter bekannte Namen wie Julia Gajer, Yvonne van Vlerken, Eva Wutti, Laura Philipp, Nils Frommhold, Florian Angert. Mehr Infos

 

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