Ricarda entdeckt Kona: Raceday

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Ich stehe auf der Mauer in der Bucht von Kona. Die Sonne geht in den wunderschönsten Farben auf, die Surfer paddeln los und ich höre den tiefen Klang eines Muschelhorns. Aloha! Raceday!

 

Die Stimmung ist ein surrealer Mix von freudiger Erwartung, Angst, Respekt, Stolz und Ungewissheit. Der Mythos Hawaii entfaltet sich und 2.500 Athleten mittendrin.

Showtime auf dem Ali’i Drive
Eine lange Zeit später sitze ich im Schatten auf dem Ali’i Drive und merke plötzlich wie mein Hintern zu glühen anfängt. Der Asphalt ist auf einmal dermaßen heiß, dass man ein Ei darauf braten könnte. Here we are: jetzt geht das Rennen richtig los. Auf den ersten Lauf-Kilometern des Ali’i Drives erlebe ich für mich die emotionalsten Momente des Rennens. Ich flippe aus vor Freude, als Jan und Sebi Kopf an Kopf als Führende an mir vorbeilaufen. Ich fieber mit Lukas mit, der sich Kilometer für Kilometer nach vorne schiebt. Und ich leide mit Julia und möchte sie am liebsten in den Arm nehmen.

Das gleiche mache ich mit meinen Jungs durch und ich bin überzeugt, dass es so vielen Betreuern geht. Was das anfeuern angeht, komme ich mir vor wie eine Niete. Was sagt man zu jemand, der einfach nicht mehr kann, die verbleidenden 32 Kilometer aber auf jeden Fall bewältigen will? Egal wie schlecht es ihnen geht, wie langsam sie laufen, jeder hat nur das Ziel vor Augen und mit jedem Schritt, kommen sie ihm ein bisschen näher.

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Zusammen und doch allein
Wie an einer Perlenschnur aneinandergereiht, laufen die baldigen Ironmänner und -frauen an mir vorbei. Nun stehe ich im Lavafeld, kurz bevor es ins Energie Lab geht. Es ist keine Schleife, in der man Energie bekommt, wie ich immer dachte, ihm Gegenteil. Ohne Zuschauer läuft man dort durch den härtesten Teil der Laufstrecke.

Ich habe Respekt. Auch wenn hunderte Athleten vor und hinter einem laufen, ist man doch allein. Die Füße funktionieren nur noch, weil der Kopf will, aber nicht mehr der Körper. Hier wird das Rennen mental gewonnen, und hier spüre ich ihn wieder, den Mythos Hawaii.

ricarda-lisk_kona-2016_img_6334Mein letzter Stopp ist natürlich am Zielkanal. Mit „Congratulation! You are an Ironman!“ ehrt Mike Reilly die Finisher. Jeder einzelne davon ist einmal durch die Hölle und wieder zurück. Sie können stolz auf sich sein. Die Weltmeisterschaft auf Hawaii ist wirklich ein besonderes Rennen.

Text | Fotos: Ricarda Lisk