Laura Lindemann: Ich sammel gerne Goldmedaillen!

Zuletzt aktualisiert am 1. März 2019

wts_cozumel_grand_final-2016_u23_laura-lindemann_05Mit dem U23-WM-Titel in der Tasche beendete Laura Lindemann in Cozumel die Saison 2016. Im tritime-Interview äußert sich die Potsdamerin über die gesammelten Erfahrungen und ihre Pläne für 2017.

 

Laura, du hast eine spannende und erfolgreiche Saison 2016 hinter Dir: Stürze, Top-Ten-Platzierungen in der Triathlon-Weltserie, das Olympia-Nominierungsdebakel mit anschließender Teilnahme in Rio de Janeiro und zum Abschluss wurdest Du U23-Weltmeisterin in Cozumel! Wie fällt dein persönliches Fazit aus?
2016 war mein erstes „richtiges“ Elitejahr, und es stand von Anfang an im Zeichen von Rio. Wir haben schon vor dem Saisonstart in Abu Dhabi sehr viel Aufwand betrieben, aber leider konnte sich dass in den Emiraten nicht auszahlen. Das Rennen in Yokohama war dann wieder so knapp – aber es hatte eben trotzdem nicht gereicht. Wie ich ja schon oft erzählt habe, habe ich natürlich gehofft und von der DTU ja dann auch die Nachricht bekommen, dass sie mich dem DOSB für Olympia vorschlagen. Das Nominierungsdurcheinander danach habe ich – auch wenn ich immer gehofft habe – dann irgendwie doch nur am Rande wahrgenommen. Schlussendlich durfte ich ja doch noch fahren. Naja, und die U23-WM lief dann fast so wie geplant. Das war ein schöner Abschluss. Alles in allem war es ein verrücktes Jahr, in dem ich viele Fehler begangen habe, also auch viel lernen durfte! Ich denke, sportlich gesehen war es mein bisher wichtigstes Jahr.

Bei den Olympischen Spiele dabei zu sein, ist für jeden Sportler der größte Traum. Wie hast Du die Zeit in Rio de Janeiro und das olympische Rennen erlebt?
Dass die Olympischen Spiele für „jeden“ Sportler der größte Traum ist, stimmt ja im Triathlon schon mal nicht… Für uns Kaderathleten auf der „Olympischen Distanz“ stimmt das natürlich – vor allem, wenn man sich vor Augen führt, dass ein solches Rennen nur alle vier Jahre ist und dann auch nur knapp 60 Frauen an den Start gehen. Olympia war und ist natürlich etwas ganz Besonderes – das hier in aller Kürze zu beschreiben ist unmöglich. Davon zu reden, dass ich das Rennen „genossen“ habe, beschreibt es auch nicht richtig – schlussendlich bin ich im Wettkampf eigentlich voll konzentriert und habe gar keine Zeit über das Rennen selbst nachzudenken. Ich weiß gar nicht, ob ich jemals ein Rennen selbst genossen habe – erst die letzten Meter oder nach der Ziellinie gibt es ein ähnliches Gefühl. Ich hatte jedenfalls richtig Lust, in Rio gut abzuschneiden, das kann man sagen.

Warum genau warst Du mit deinem Rennen in Rio schlussendlich nicht ganz zufrieden?
Unzufrieden war ich deshalb, weil ich wieder Fehler gemacht habe und mich das eine Position in der Spitzengruppe gekostet hat. Aber trotzdem war es eines der Rennen, in dem ich am meisten gelernt habe. Da waren richtig starke Athletinnen am Start, die einen Plan hatten und diesen ohne Kompromisse versucht haben, auch umzusetzen, so etwas habe ich vorher so noch nicht erlebt.

Kurz nach Rio stand für Dich noch das Grand Final in Mexiko auf dem Programm. Mit dem U23-WM-Titel hast Du Dich eindrucksvoll in die Saisonpause verabschiedet. Wie viel ist dir dieser Sieg in Mexiko im Nachhinein betrachtet wert?
Der Sieg in Cozumel war ein wirklich schöner Abschluss – sportlich gesehen. Aber auch in diesem Rennen lief wieder einiges schief. Schlussendlich habe ich es aber mit diesem Erfolg jetzt drei Jahre hintereinander geschafft, Weltmeisterin zu werden! Ich sammle doch so gern Goldmedaillen! 😉

Unmittelbar hinter der Ziellinie bist Du zusammengebrochen und musstest ins Krankenhaus. Was genau war los?
Der eine oder andere wird vielleicht schmunzeln, aber das war eine der schlimmsten Erfahrungen, die ich in meinem Leben gemacht habe: total dehydriert bin ich umgefallen! In dem Moment dachte ich wirklich, ich muss sterben – sowas hatte ich noch nicht erlebt. Wäre die Strecke nur 50 Meter länger gewesen, ich hätte es nicht ins Ziel geschafft – vor allem, weil ich ja auch keine Schwester dabei hatte, die mir hätte helfen können! 😉

Wie hast du danach die Saisonpause verbracht?
Ich war eine Woche in NewYork und eine Woche mit dem Champions Club in Spanien. Außerdem habe ich eine eigene Wohnung bezogen, in der ich noch malern musste.

Mittlerweile hast du das Training wieder aufgenommen. Gibt es schon konkrete Pläne für die Saison 2017?
Natürlich stehen die World Triathlon Series-Rennen – ganz besonders Hamburg – und die Sprint-EM in Düsseldorf im Mittelpunkt. Aber mein Hauptziel ist es, sportlich gesehen an meinen Reserven zu arbeiten! Und dann mache ich ja noch das Abitur fertig.

Interview: Meike Maurer
Foto: Janos Schmidt | triathlon.org