Rebecca Robisch: Es gibt immer Höhen und Tiefen

Robisch, Rebecca, , , GER

Rebecca Robisch gewinnt den Marathon in KölnWas macht eigentlich Ex-Profitriathletin Rebecca Robisch ein Jahr nach ihrem Rücktritt vom Leistungssport? Wir haben uns mit der 29-Jährigen über ihr Leben nach dem Triathlon unterhalten.

 

Rebecca, du hast vor gut einem Jahr deine Profikarriere als Triathletin an den Nagel gehängt. Wie geht es dir und was machst du gerade?
Ich bin absolut glücklich mit meinem Entschluss. Ich habe einige Zeit gebraucht, um die Ereignisse aus 2016 rund um die verpasste Olympiateilnahme zu verarbeiten. Doch im Leben passiert nichts ohne Grund. Jetzt konzentriere ich mich auf mein „neues Leben“ nach dem Profisport und genieße es in vollen Zügen. Es ist nicht immer leicht, denn der Sport steht jetzt nicht mehr an erster Stelle und ich muss akzeptieren, dass ich nicht mehr ganz so fit bin. Dafür bleibt jetzt mehr Zeit für Urlaube, Freunde und Familie – was ja während meiner aktiven Zeit immer zu kurz gekommen ist. Beruflich habe ich einen guten Weg eingeschlagen. Im Moment arbeite ich ein paar Stunden pro Woche im den Bereich Gesundheitsmanagement, Coaching und Outdoor Activities bei Hubert Schwarz, dem Extremsportler, der ein eigenes Unternehmen direkt in meiner Nähe leitet. So bleibe ich dem Sport treu und kann mit anderen Menschen meine Erfahrungen teilen und sie für den Sport begeistern.

Du hast dir erst einmal eine sportliche Auszeit gegönnt, was hast du in den Wochen nach deinem letzten Triathlonrennen gemacht?
Nach meinem letzten Rennen wollte ich gar nichts mehr vom Sport hören. Ich habe bestimmt knapp drei Monate nichts gemacht, was mit Schwimmen, Radfahren und Laufen zu tun hatte. Nach den Turbulenzen um Olympia war ich ausgebrannt und ohne Leidenschaft mehr für den Sport. Ich konnte mich nicht mehr motivieren und hab das auch zugelassen. In dieser Zeit habe ich alte Freunde besucht und viel Urlaub gemacht. Ich musste mich neu sortieren und orientieren. Das war nicht leicht, aber ich wusste auch, dass es kein Zurück mehr gibt. Nach dieser längeren Sportabstinenz kam ganz langsam wieder der Drang, mich zu bewegen und ich habe alles gemacht, was mir Spaß bereitet, aber ohne Leistungsdruck und ohne sportliches Ziel. Ich war bouldern, snowboarden, wandern, MTB fahren und irgendwann auch wieder laufen.

Fehlt dir der Triathlon-Sport bzw. die Triathlon-Szene? Was bekommst du gerade noch von der Nationalmannschaft und Ex-Trainingskollegen mit?
Natürlich vermisse ich manchmal mein Leben als Triathlon-Profi. Ich habe sehr viele gute Erinnerungen an die fast 15 Jahre Leistungssport. Ich habe so viele tolle Menschen auf der ganzen Welt kennengelernt, woraus viele Freundschaften entstanden sind. Viele sehe ich jetzt leider nicht mehr oft, aber dafür bin ich jetzt sesshaft geworden und beginne eben ein „normales“ Leben und das ist auch gut so. Vom Triathlon-Geschehen bekomme ich nicht mehr viel mit. Schön ist, dass ich immer noch regelmäßigen Kontakt mit Sophia Saller und mit Lisa Sieburger habe. Wir treffen uns, wenn es geht und sportlern bei Gelegenheit ein bisschen zusammen.

Du bist im Dezember 2016 das Desert Dash Mountainbike-Rennen in Namibia über 370 km mitgefahren und hast es gewonnen, was war das für eine sportliche Erfahrung?
Das Desert Dash durch die Wüste war eine großartige, unbeschreibliche Erfahrung – ganz anders als ein Triathlon. Hier war wirklich auch mentale Stärke und Durchhaltevermögen gefragt.  Du kämpfst nur mit dir selbst und musst dich ständig neu motivieren. Es ist ein bisschen wie im wahren Leben, du hast Hochs und Tiefs, manchmal läuft es, manchmal denkst du, du musst stehen bleiben und es geht nicht mehr weiter … und dabei ist es wichtig, einfach nur weiter zu machen, keine Pausen zu machen und nie aufzuhören zu treten. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem es plötzlich wieder läuft und du neue Motivation schöpfst. Und weil es so einzigartig und lehrreich war, fahre ich dieses Jahr gleich wieder mit.

Rebecca Robisch mit ihrem Pacemaker in Köln

Das ist aber noch lange nicht alles. Vor ein paar Wochen hast du in Köln deinen zweiten Marathon in einer Zeit von 2:42:59 Stunden gewonnen. Glückwunsch! Was bedeutet dir diese Zeit und wirst du jetzt öfters unter die „Läufer“ gehen?
Das war wirklich ein ganz verrücktes Projekt, zu dem ich mich Mitte August entschieden habe. Ich wollte schon immer einen richtig schnellen Marathon laufen, nur in den letzten Jahren war ich am Ende der Triathlon-Saison immer so müde, dass dafür keine Zeit blieb. Alles begann im Frühjahr, ich habe meine Leidenschaft fürs Laufen wieder neu entdeckt. Dann wurde ich gefragt, ob ich nicht bei der Challenge in Roth die Staffel laufen möchte, worauf ich kurzerhand Ja gesagt habe. Und dann ging es los und ich habe mich vier Wochen einigermaßen vorbereitet. Nachdem ich bei der Challenge den Marathon in 2:52 Stunden gelaufen bin, dachte ich mir: mit einer besseren Vorbereitung geht da auf jeden Fall noch mehr und so hat mir Hubert Schwarz einen Startplatz beim Köln Marathon verschafft. Und tatsächlich wurde ein Traum wahr: Ich stand fit an der Startlinie, hatte einen kenianischen Pacemaker und durfte mit der Startnummer F1 einen richtig großen Marathon laufen. Geplant war eine Zeit unter 2:40 Stunden, darauf habe ich trainiert,  aber auch wenn ich knapp drei Minuten über meiner Zielzeit geblieben bin, war ich einfach nur glücklich und überwältigt. Es war ein unbeschreibliches Gefühl und ich habe versucht, jeden einzelnen Meter zu genießen. Das Projekt Marathon ist aber jetzt erst einmal beendet und ich habe keine Fortsetzung geplant.

Du hast dich mit den Hahnertwins auf Köln vorbereitet. Wie hast du von den beiden profitieren können?
Anna und Lisa kenne ich schon sehr lange. Wir sind früher viele Crossläufe gegeneinander gelaufen. Und irgendwie ist der Kontakt nie abgerissen in den vielen Jahren, die ich im Triathlon unterwegs war. Wir haben immer geschrieben und uns ausgetauscht. Und als die zwei erfahren haben, dass in mir das Marathon-Feuer brennt, haben sie mich in den Schwarzwald eingeladen und ich durfte mit ihnen trainieren. Es war als hätten wir uns nie aus den Augen verloren. Wir hatten eine tolle Zeit, auch wenn es wirklich hart für mich war, bei den beiden mit zu laufen. Die Twins sind einfach super entspannt und leben ihre Leidenschaft. Das finde ich sehr bewundernswert. Ich habe mir viele Tipps geholt, die mir in Vorbereitung und Planung sehr geholfen haben.

Wird man Rebecca Robisch vielleicht auch noch mal auf den längeren Triathlonstrecken bewundern können oder ist eine Rückkehr zum Triathlon ausgeschlossen?
Im Moment gibt es für mich keine Rückkehr in den Triathlon-Sport.

Wie geht es jetzt weiter bei dir? Was hast du geplant – sportlich wie beruflich?
Beruflich werde ich nächstes Jahr im Gesundheitsmanagement und mit Lauf- und MTB- Workshops voll einsteigen und auch ein paar Athleten coachen.Sportlich werde ich vermehrt auf dem MTB zu sehen sein – geplant ist die Marathon-WM in Italien. Und sonst nehme ich einfach mit, was kommt und worauf ich gerade Lust habe…

Danke, Rebecca für das Interview und alles Gute.

Interview: Meike Maurer
Fotos: Thomas Weschta-Fotografie und Design