Mareen Hufe: Fokussiert, motiviert und diszipliniert!

Zuletzt aktualisiert am 27. Februar 2019

Mareen Hufe, Hawaii 2018Nach 2008, 2009, 2011-2013, 2015 und 2017 steht Mareen Hufe am 13. Oktober zum achten Mal an der Startlinie des Ironman Hawaii. Warum sie dazu bereit ist, das beste Rennen ihrer Karriere zu bestreiten, verrät die 40-Jährige im Interview.

 

Mareen, was fällt Dir ganz spontan zum 1. Juli 2018 ein.
Natürlich mein erster Ironmansieg in Klagenfurt. Aber auch, dass ich im Kona Ranking schon genügend Punkte hatte und im Vorfeld auf Hawaii eigentlich gar keinen Ironman mehr bestreiten wollte. Ganz im Gegensatz zu meiner Trainerin Ute Mückel. Und da ich den Wettkampf am Wörthersee schon immer einmal bestreiten wollte, fiel mir der Sinneswandel letztendlich nicht schwer. Rückblickend betrachtet habe ich also alles richtig gemacht.

Absolut, und dabei fing 2018 mehr als holprig an …
Das stimmt, in den ersten Wochen des Jahres musste ich sehr viel arbeiten. All dies führte dazu, dass wir ganz bewusst erst viel später ins Training eingestiegen sind. Meine Wettkampfsaison begann erst im Juni, aber dann gleich mit drei Mitteldistanzen hintereinander: Bocholt, Luxembourg und im indeland. Ganz besonders freute ich mich über den sehr schnellen Halbmarathon in 1:25 Stunden beim 70.3 Luxembourg.

Deine Trainerin Ute Mückel verriet im gestrigen Interview auch, dass Du zum Jahreswechsel sogar eine Laufpause einlegen musstest …
Leider ja, aber nach meiner Rückkehr von den beiden Ironman-Rennen in Malaysia und Busselton verspürte ich leichte Beschwerden in der glutealen Muskulatur. Dies zwang mich dazu, dass ich beim Laufen die Hüfte durch die Bauchmuskulatur gerade ziehen musste. Ich hatte zwar keine Schmerzen, angenehm war es jedoch nicht.

Wie groß ist die Gratwanderung, Beschwerden zu ignorieren und eine Verletzung zu riskieren?
Wenn ich merke, es stimmt irgendetwas orthopädisch oder muskulär nicht, komme ich erst gar nicht auf die Idee, die anstehende Einheit durchzuziehen. Ein gesunder Körper ist mein größtes Kapital und meine wichtigste Ressource. Da muss bei jedem Athleten einfach die Vernunft siegen.

Im vergangenen Jahr fehlten Dir nur ein paar Minuten auf die Top 10. Wie sehr beschäftigte Dich dies noch im Nachgang?
Platz 11 ist natürlich ärgerlich, war aber für mein Lebens-Setup ein ganz tolles Ergebnis. Es hat mich außerdem ungemein motiviert, mich erneut zu qualifizieren, um am nächsten Samstag das beste Rennen meiner Karriere abzuliefern. Allerdings liegt das Feld so dicht beieinander, dass eine bessere Platzierung nicht nur von meiner Leistung abhängt, sondern auch von der Tagesform meiner Mitstreiterinnen.

Viele Profis trainieren im Sommer in der Höhe, Du nicht. Warum eigentlich?
Am Niederrhein gibt es ja bekanntlich genügend hohe Berge … (lacht) nein, Spaß beiseite. Ich weiß, dass für mich Intensitäten besser sind, und letzteres ist ja in der Höhe nicht wirklich möglich. Mein Problem ist weniger die Ausdauer, noch die fehlende Luft zum Ende einer Langdistanz, sondern die fehlende Grundschnelligkeit. 2012 bin ich im Alter von 34 Jahren zum ersten Mal überhaupt Intervalle gelaufen. Der zweite Grund liegt im persönlichen Setup mit meinem Job. Aufgrund der dadurch vermeintlich fehlenden Trainingszeit achte ich umso mehr auf Qualität und schrubbe keine leeren Kilometer. Schlussendlich möchte ich nicht auch noch im Sommer auf Reisen sein. Im Winter und Frühjahr bin ich schon lange genug von zu Hause weg und freue mich auch ein paarMonate am Stück daheim zu sein.

Und wie sieht es dort mit Trainingsbuddies aus?
Die habe ich in Wesel genug. Ich habe das Glück, in meinem Freundeskreis Sportler in allen Disziplinen und in unterschiedlichen Leistungsklassen zu haben, sodass ich nur ganz selten alleine trainieren muss. Außerdem weiß ich, was wem Spaß macht, und je nach Vorgabe begleiten mich immer andere Trainingspartner. Das bringt Abwechslung in meinen Trainingsalltag und erleichtert das Durchziehen harter Einheiten ungemein.

Deine Eltern begleiten Dich meist zu den großen Rennen der Saison. Wie wichtig ist Dir das?
Das bedeutet mir sehr, sehr viel. Nicht nur, dass sie mir im Hintergrund absolut den Rücken freihalten, sie brauchen mich nur anzuschauen und wissen sofort, wie es mir geht,  was mir gut tut und zu tun ist. Umso schöner war es auch, dass sie bei meinem ersten Sieg in Klagenfurt dabei waren.

Der Dir im kommenden Jahr die direkte Hawaii-Quali gesichert hätte. Wird es für Dich jetzt schwieriger?
Mir persönlich würde das alte System besser in die Karten spielen, aber ich habe auch nichts dagegen, einen weiteren Ironman zu gewinnen. Ich denke, das neue System ist gerade für die Frauen mehr Glücksache, zumal es meist nur einen Slot pro Rennen gibt und die floating Slots meist an die Männer gehen. Schade finde ich es auch, dass sich lediglich die Top 3 von Hawaii für das kommende Jahr direkt qualifizieren. Alle anderen der Top 10 schauen in die Röhre, und das ist schon sehr ärgerlich. Aber auch die Siegerin erhält in Zukunft keine Startgarantie mehr für die kommenden fünf Jahre, lediglich für das darauffolgende.

Letzte Frage: Du hast einen neuen Radsponsor. Wie kam es dazu?
Die Firma Rose hat sich entschlossen, die Weiterentwicklung des Zeitfahrrades vorerst auf Eis zu legen. Nach zehn Jahren sehr vertrauensvoller Zusammenarbeit ist mir der Wechsel natürlich nicht leicht gefallen. Mit Ceepo habe ich jedoch einen innovativen Partner gefunden. Ich freue mich darauf, mit Ceepo in den kommenden Jahren meine gute Radleistung noch weiter auszubauen.

Interview/ Foto: Klaus Arendt