Lis Heckmann ist die älteste WM-Teilnehmerin

Kona-2015_Lis-Heckmann_1Sie ist mit 76 Jahren die älteste Teilnehmerin bei der Ironman-WM auf Hawaii: Lis Heckmann. Die in Deutschland geborene Frohnatur ist stolz darauf und freut sich auf das Rennen.

Bereits zum vierten Mal ist die in den USA lebenden Lis nun beim Ironman auf Hawaii dabei, doch in diesem Jahr sind die Tage vor dem Rennen noch einmal ganz anders. Neben den letzten Trainingseinheiten hat sie auch einige Interviewtermine zu absolvieren. „Ich fühle mich eigentlich gar nicht älter“, spaßt die 76-Jährige, während wir am Pier das Treiben nach dem Underpants Run beobachten. „Das Älter werden passiert einfach.“ Stolz die Älteste zu sein, ist sie trotzdem.

Zum Triathlon kam Lis durch eine Verletzung die ihre Lieblingsdisziplin, das Laufen, unmöglich machte. Auf Anraten ihres Arztes hielt sie sich mit Radfahren und Schwimmen fit, der erste Start bei einem Triathlon war nur noch die „logische Konsequenz“. Von der Sprintdistanz ging es auf die Olympische, es folgte der erste halbe und schlussendlich volle Ironman. Gut zehn Jahre ist sie nun aktive Athletin und blickt mit knapp 200 Starts auf eine unglaubliche Wettkampfbilanz zurück. Nach 2005, 2006 und 2007 konnte sie sich in Florida auch für diese Weltmeisterschaft qualifizieren.

Doch die Qualifikation war alles andere als einfach. Bei vier Grad Celsius und ein wegen Sturms abgesagten Schwimmen kam Lis nach 14 Stunden und 21 Minuten ins Ziel und löste das Ticket nach Hawaii. Seit November bereitet sie sich schon auf dieses große Ziel vor. „Ich bin mein eigener Coach, steigere mich von Monat zu Monat. In diesem Jahr hatte ich Glück, und es verlief alles gut und ohne Verletzungen“, erzählt sie stolz. Um verletzungsfrei zu bleiben, vertraut sie auf eine ganz bestimmte Methode: „Ich dehne mich jeden Tag 30 Minuten! Und das empfehle ich jedem, gerade wenn man älter wird.“

Kona-2015_Lis-Heckmann_2Bedingungslose Unterstützung bekommt die 76-Jährige auch von ihrem Ehemann Tom. „Er hilft wo er kann. Egal ob es um ein neues Kleid oder den Sport geht, er ist immer mein erster Ansprechpartner“, sagt sie. Auf die Frage, wie stolz er auf sie sei, antwortet er nur: „Sie ist die beste der Welt!“ So wird er auch am Samstag an der Strecke stehen, seine Frau anfeuern und warten, bis sie nach mehr als der doppelten Zeit des Weltmeisters über die Ziellinie läuft. Geht es nach Lis, werden Sebastian Kienle und Mirinda Carfrae das Rennen für sich entscheiden.

Kommt Lis ins Ziel, ist ihr der Platz ganz oben auf dem Podium gesichert. Konkurrenz hat sie in ihrer Altersklasse nicht mehr. Ihre Bestzeit von 2005 (15:21 Stunden) wird sie wohl zehn Jahre später nicht verbessern können. Das Wichtigste wird sein, gesund im Ziel anzukommen. Doch spätestens in drei Jahren will sie wieder in Kona an den Start gehen, denn dann wäre sie mit 79 Jahren die älteste Frau, die jemals die Finishline am Pier überquert.

Text und Foto: Ann-Kathrin Ernst