Jan van Berkel: Ich erfülle mir einen Kindheitstraum!

ZURICH, SWITZERLAND - JULY 19: Jan Van Berkel of Switzerland celebrates as he finishes second in the men's race during Ironman Zurich on July 19, 2015 in Zurich, Switzerland. (Photo by Joern Pollex/Getty Images for Ironman)

ZURICH, SWITZERLAND - JULY 19:  Jan Van Berkel of Switzerland celebrates as he finishes second in the men's race during Ironman Zurich on July 19, 2015 in Zurich, Switzerland.  (Photo by Joern Pollex/Getty Images for Ironman)

3.895 Punkte benötigte Jan van Berkel, um sich bereits Ende Juli im ersten Draft für die Ironman World Championship in Kona zu qualifizieren. Kurz vor seiner Abreise in die Südsee stellte sich der frühere Kurzdistanzler den Fragen der tritime-Redaktion.

Jan, mit welchen Gefühlen und Wünschen trittst Du die Reise nach Kailua-Kona an?
Mit dem Rennen auf Hawaii schliesst sich ein grosser Kreis, der am Anfang meiner Triathlonkarriere in den Schülerkategorien begann, als sich die Bilder des Ironman Hawaii in meinem Herz festgesetzt haben. Ich werde glücklich sein, die Finishline zu erreichen und stolz sein, dem kleinen Jungen den Wunsch erfüllt zu haben. Und dann habe ich auch sportliche Ziele, die mich motivieren.

Und die wären?
Das Rennen auf Hawaii stellt mich definitiv vor nicht bekannte Aufgaben. Aus meiner Zeit im ITU-Circuit kenne ich die Zielvorgabe, höher klassiert zu sein als meine Startnummer, also besser als mein Weltranking. Dies Chancen schätze ich als realistisch ein.
(Anmerkung der Redaktion: im 2015er Kona Ranking belegte Jan van Berkel Rang 48)

Eiger-Nordwand_PrivatNach Deiner Qualifikation für Kona hast Du mit zwei untypischen Aktionen auf Dich aufmerksam gemacht, die nicht wirklich in eine klassische Hawaii-Vorbereitung passen. Wenige Tage nach Deinem zweiten Platz beim Heimrennen in Zürich hast Du ein Bild von Dir aus der Eiger Nordwand gepostet und am 22. August wurdest beim Inferno Triathlon Zweiter …
Als Schweizer darf ich mich sehr glücklich schätzen, in unserem Land eine so wunderbare Bergnatur geniessen zu können. In der Eiger Nordwand waren meine Freundin und ich auf Einladung des Hauptsponsors eines Extrembergsteigers, der dort momentan eine neue Route eröffnet. Durch ihn gesichert, konnten wir uns mitten in der Wand – 800 Meter freier Fall unter uns und 1200 Meter senkrechte Felswand oben an uns – bewegen. Ein Erlebnis, dass dann auch mental Überwindung gekostet hat und wahnsinnig eindrücklich war. Der Inferno Triathlon führt durch diese traumhafte und weltbekannte Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau. Neben dem idealen Kraftausdauertraining ist für mich ein solches Rennen Energie für meinen Kopf. Diesen emotionalen Bedürfnissen muss man als Sportler Rechnung tragen. Die Erlebnisse an der Wand und in den Bergen geben meinem Körper und meinem Geist Kraft für Extremsituationen in wichtigen Rennen.

Wie (und wo) bereitest Du Dich auf die Hitze vor und wie gehst Du generell mit Hitze um?
Ich werde zwei Wochen vor dem Rennen nach Hawaii reisen, um mich an die Hitze zu gewöhnen. Davor bereite ich mich zuhause im Zürcher Unterland vor. Der Hitze werde ich in gewohnter Manier entgegnen: Pacing anpassen, mental die Hitze akzeptieren, Eis, Elektrolyte und Wasser.

Wie sehr belastet Dich der Jetlag und wie viele Tage benötigst Du normalerweise, bis Du richtig im normalen Tagesablauf bist?
Die Reise rechne ich wie die Belastung eines Halfironman ein und passe mein Training danach entsprechend an. Für den Jetlag gebe ich mir vier Tage, wobei der Körper sicherlich eine Woche braucht, um komplett umzustellen.

Ist Dein Trainer  mit vor Ort? Welche Bedeutung hat dies für Dich im Vorfeld und im Rennen selbst?
Der ist sogar ganz nahe dabei, denn ich bin mein eigener Trainer.

Wirst Du auf Deiner Reise nach Hawaii von Freunden und Deiner Familie begleitet? Welche Rolle nehmen sie dort ein?
Meine Freundin und meine Mutter werden vor Ort sein, zudem habe ich bereits von vielen anderen Bekannten gehört, die ebenfalls per Zufall auf der Insel sind. Meine Freundin war im Eiskunstlaufen selber Spitzensportlerin und weiss ziemlich genau, wie ich vor einem Rennen ticke. Ich freue mich, dieses Erlebnis mit ihr zu teilen. Meine Mutter bringt einfach auch Normalität in ein hektisches Umfeld und kümmert sich um all das, was Mütter eben am besten können.

Worauf wirst Du in der Rennwoche ernährungstechnisch besonders achten?
Ich werde nichts verkomplizieren, sondern einfach die Grundprinzipien richtig machen. Gut trinken, ausgewogen essen, und vor dem Rennen ein Carboloading.

Womit verbringst Du in Kona die trainingsfreie Zeit? Wie entspannst Du Dich?
Entspannen fällt mir leicht. Ich nehme mir für alles neben dem Training etwas mehr Zeit, frühstücke gerne mit meiner Freundin und lese die Zeitung. Dazu schlafe ich viel.

Wer sind die großen Favoriten auf den Sieg im Rennen der Herren?
Tim van Berkel, Jan Frodeno und Sebastian Kienle.

Und bei den Damen?
Daniela Ryf, Caroline Steffen und Rachel Joyce

Jan, wir wünschen Dir auf Big Island eine erfolgreiche Premiere!

facebook Jan van Berkel

Interview: Klaus Arendt
Fotos: Joern Pollex | Getty Images for Ironman und Privat