Andreas Raelert: Mein Weg zurück war nie geradlinig!

ARaelert_Frankfurt-2014_© Klaus Arendt | tritimeIn genau sechs Tagen sind die Ironman European Championship in Frankfurt voll im Gange. Ein Grund mehr, sich im Vorfeld mit einigen Protagonisten des Rennens zu unterhalten.

Wir beginnen mit dem Inhaber der Weltbestzeit auf der Langdistanz, dem zweifachen Ironman-Vizeweltmeister Andreas Raelert.

Andreas, welche Erinnerungen hast Du an Deine früheren Starts in Frankfurt, und was ist das Besondere an dem Rennen in der Mainmetropole?
Die positiven Erinnerungen überwiegen bei mir absolut. 2010 durfte ich in Frankfurt eines der schönsten Rennen meiner Karriere erleben. Es war ein unheimlich hartes Rennen, bei dem ich aber ein langes Solo vor einem grandiosen Publikum mit einem unvergesslichen Zieleinlauf erfolgreich auf dem Römerberg abschließen konnte. Das Rennen lief insgesamt so, wie man es sich als Athlet nur wünschen kann. Entsprechend ist dieser Wettkampf wirklich ein ganz besonderes Erlebnis gewesen. Danach hätte ich gerne in Frankfurt noch einmal ein ähnlich erfolgreiches Rennen gestaltet, leider war es mir aber bislang wegen eines Sturzes und verschiedenen Problemen während des Wettkampfes noch nicht vergönnt. Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr wieder einen positiven Moment in Frankfurt erleben darf.

Wie schätzt Du Deine realistischen Chancen ein?
Es ist für mich insgesamt nicht ganz einfach, dieses Rennen einzuschätzen. Es ist ein grandioses Feld am Start, somit ist es auch nicht ganz leicht, Prognosen abzugeben. Ein packendes Rennen ist bei der Besetzung vorprogrammiert. Ich hoffe, dass ich um das Podium mitkämpfen und mich mit einem guten Rennen für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifizieren kann.

Wer sind die großen Favoriten auf den Sieg im Rennen der Herren?
Bei den Männern ist es mindestens ein halbes Dutzend Athleten, das den Sieg erreichen kann. Für mich gehören neben Sebastian Kienle, Jan Frodeno und Frederik Van Lierde auch Eneko Llanos und Tyler Butterfield zu den Top-Favoriten. Auch Andreas Böcherer ist in einer herausragenden Form. Hinzu kommen Athleten wie Bas Diederen und andere, die in Frankfurt für große Überraschungen gut sind.

ARaelert_Frankfurt-2014_ © Arendt | tritimeDein Trainer Wolfram Bott ist sicherlich ebenfalls mit vor Ort, welche Bedeutung hat dies für Dich im Vorfeld und im Rennen selbst?
Wolfram ist ein sehr wichtiger Partner für uns, und ich bin sehr dankbar dafür, dass er an der Strecke sein wird. Jeder Athlet ist im Wettkampf zwar auf sich alleine gestellt, aber der Support vertrauter Menschen ist unheimlich wichtig. Wolfram kennt mich sehr gut, er weiß außerdem sehr gut, an welchen Stellschrauben man während eines solchen Rennens noch drehen kann und muss. Nachdem wir in Texas mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, würde ich ihm mit einem guten Rennen in Frankfurt gerne auch etwas zurückgeben.

Wirst Du auf Deiner Reise nach Frankfurt von Freunden und Deiner Familie begleitet? Welche Rolle nehmen sie dort ein?
Meine Familie wird mich begleiten und sie sind, wie für alle anderen Athleten auch, eine unheimlich große Unterstützung.

In Mt. Tremblant und Kona hattest Du im letzten Jahr mit Magenproblemen zu kämpfen, in Texas musstest Du vor einigen Wochen aufgrund einer Achillessehnenverletzung vorzeitig austeigen. Belasten Dich diese beiden nicht zu unterschätzenden Faktoren derzeit noch?
Seit meiner schweren Verletzung, die ich mir beim Ironman Klagenfurt vor zwei Jahren zugezogen habe, ist der Weg zurück in die Weltspitze mit sehr viel Arbeit verbunden und der Verlauf ist nie geradlinig, sondern auch durch Rückschläge geprägt. Natürlich verliefen die letzten beiden Rennen nicht wunschgemäß. Ich starte trotzdem mit großer Zuversicht, da die Trainingsergebnisse viel Grund zum Optimismus geben. Wenn ich in Frankfurt wieder zu meiner mentalen Stärke zurückfinden kann, darf ich mir gute Chancen ausrechnen.

Andreas, wir wünschen Dir für den kommenden Sonntag maximalen Erfolg.

Fotos: Klaus Arendt