Rookie Jan in Ingolstadt

Race Day Ingolstadt – alles reine Kopfsache. Jan finisht erfolgreich seine erste Kurzdistanz und ist auch nach diesem – seinem zweiten Triathlon – um einige Erfahrungen reicher. Zum Beispiel: Es muss nicht immer kuschelig warm sein – weder an Land noch im Wasser und bei jedem Triathlon passieren unerwartete Dinge. Triathlon ist immer ein Abenteuer. Es läuft selten rund und schon gar nicht am Anfang der Karriere. Jans neueste Erfahrungen findet ihr in diesem Blog. Das Wichtigste aber gleich vornweg: Jan hat den inneren Schweinehund besiegt und Spaß gehabt – nur darauf kommt es an.Den Triathlon in Ingolstadt hatte ich mir rausgesucht, weil ich quasi direkt nebenan mal gewohnt habe und den Baggersee und die Laufstrecke noch aus dem Effeff kenne. Das Heimspiel kann sich ja nur positiv auszahlen, dachte ich mir, nachdem ich mich in der Wettkampfsvorwoche alles andere als gut vorbereitet für meine erste Kurzdistanz gefühlt hatte.

One day to go
Nach einer lockeren Motivationsradrunde um den See am Samstag war mein schlechtes Gefühl der Vortage verflogen und ich bin am Sonntagmorgen gegen halb acht am Baggersee aufgeschlagen. Das Thermometer im Auto hat tatsächlich knackige sechs Grad angezeigt und ich war ganz froh, dass ich auch ein paar lange Klamotten eingepackt hatte. Nach dem Rad-Check-In bin ich im Kopf noch mal alle Wege durchgegangen und war zwei Stunden vor dem Start schon ready to go. Was tun? Ich hab dann einfach mal nach bekannten Gesichtern Ausschau gehalten und tatsächlich einen ehemaligen Kollegen getroffen. Wir haben gemeinsam die Zeit mit nervös werden, Toiletten suchen und Espresso trinken verbracht. Allerdings konnte der heiße italienische Wachmacher meine durchgefrorenen Extremitäten auch nicht wirklich lockern und mir war ohnehin die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Selbst die coole Musik, der Moderator und das ganze Spektakel am See trugen nicht unbedingt zu meiner Lockerheit bei. Nachdem ich das Einschwimmen vor dem Start auch noch verpasst hatte, waren alle Alarmglocken an und ich musste in die Startzone.

Hoppla – seit wann gibt`s denn kaltes Wasser?
Gemeinsames Runterzählen der letzten zehn Sekunden und los gings. Zuerst ein kleiner Spurt ins Wasser und dann – BÄÄÄÄM – eiskaltes Wasser strömte in meinen Neo, schnürte mir die Luft ab, drückte auf meinen Brustkorb. Hunderte Leute um mich rum, die auch noch alle so viel Wellen und Gischt machten. Keine Panik ist zwar ein guter Gedanke, hat mir in diesem Moment aber nicht weitergeholfen. Ich hab mich extra am Rand vom Feld aufgehalten, um der Masse an zappelten Körpern aus dem Weg zu gehen, aber ich fühlte mich wie „mitten drin, statt nur dabei“. Mein Gehirn hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch einen Gedanken: Panik!!! Nach 300 Metern Kraul-Brust-Rücken-Survival-Schwimmen stand mein Entschluss fest, wie soll ich so 1500 Meter durchhalten?! Das schaff ich nie – warum auch – alles Blödsinn… Also links raus und Richtung Ufer geschwommen. Ein netter Helfer auf einem Surfboard hatte mich wohl beobachtet und paddelte zu mir rüber. Er fragte was los sei und als ich es ihm nicht sagen konnte sagte er: „Komm, halt dich mal am Brett fest!“ Warum, dachte ich mir, das Ufer ist doch gleich da drüben. Er hat´s dann aber doch geschafft, mich zum Weitermachen zu bewegen und es noch mal bis zur nächsten Wendeboje bzw. zum nächsten Rettungsschimmer zu versuchen. „Ganz ruhig und easy“, meinte er. Ich hatte zwar absolut kein Bock mehr, hab´s aber dann doch probiert. Kraulen ging plötzlich wieder und kalt war mir auch nicht mehr. Auch Dreierzug war möglich und nach ein bisschen Zick-Zack-Zügen –das wird jetzt meine neue Rennstrategie, um die Gegner zu nerven 😉 – war ich schon bei der letzten Boje. „Ja cool – den Rest pack ich jetzt auch noch!“ dachte ich und schon war ich an der Ausstiegsrampe und an den jubelnden Zuschauer vorbei in Richtung Wechselzone.

Boden unter den Füssen, ist einfach was Schönes
Jetzt entspannt zum Rad laufen und erstmal Socken anziehen. Nach zwanzig Metern Eiertanz in Radschuhen durch die Wechselzone durfte ich mich aufs Rad schwingen und einklicken. Das war der Klick, den ich wohl gebraucht hatte. Die Welt war wieder in Ordnung und ich konnte gleich richtig Druck auf die Pedale geben. Die Zeitfahrer haben mich zwar easy überholt, aber ein paar Starter aus meiner Gruppe konnte ich beim Radeln und speziell an den Hügeln wieder einkassieren. Ich hab zwischendurch mal ein bisschen Geschwindigkeit rausgenommen und ein Gel reingeschoben, denn schießlich wollte ich fürs Laufen noch ein paar Körner haben. Nach 1 h 14 war ich zurück in der Wechselzone und meine Laufschuhe noch an ihrem Platz. Rein in die Schuhe und los. Vorbei an den wirklich großartigen Helfern ging es auf die schöne Laufstrecke direkt am See entlang. Diesmal hat es gefühlt ein bisschen länger gedauert bis die Seitenstiche bzw. die  Zwerchfellkrämpfe wieder kamen. Die Beine waren zwar recht fit und locker, nur bin ich diese verdammten Stiche einfach nicht losgeworden. Sogar stehen bleiben mit Dehnübungen hat nichts geholfen. Wer also einen guten Tipp für mich hat, was ich tun soll, kann gerne mal Bescheid geben!

Nach ner gefühlten Ewigkeit (0:52:15), bin ich dann an den jubelnden Zuschauern vorbei ins Ziel gelaufen. Im Ziel hab ich erst mal ne Ladung Kaiserschmarrn verzehrt und ein alkoholfreies Weißbier reingeschüttet und war froh und glücklich nicht schon beim Schwimmen abgebrochen zu haben – vielen Dank noch mal an den Retter und Motivator von der DLRG! Und mit 2:41 h für meinen ersten Kurz-Distanz-Triathlon bin ich im Nachhinein auch völlig zufrieden.

Ende gut, alles gut
Die Veranstaltung war wirklich super organisiert, alles war easy zu finden, die Helfer und Zuschauer waren großartig. Ich fand es zwar anfangs etwas irritierend, dass viele mich mit meinem Namen angefeuert haben und dachte mir immer, woher kennt der mich – aber die Idee, die Vornamen mit auf die Startnummer zu drucken, gefällt mir mittlerweile sehr gut.  Die Gegend um den Baggersee und die Radstrecke sind wirklich sehr schön und ich kann den Ingolstadt Triathlon mit ruhigem Gewissen jedem nur empfehlen. Und das beste am Rennen: es hat komischer Weise, trotz aller kleinen Wehwehchen, wieder richtig Spaß gemacht!

Allseits cheers, euer Jan

Foto: Ingo Kutsche | sportfotografie.biz