Rookie Jan startet durch: Equipment

Das erstes Sprintrennen von Jan Bartols in Rimini ist zwar schon Geschichte, aber der Blog geht noch etwas weiter. Heute hat sich Jan mit dem Thema Ausrüstung beschäftigt, denn es ist ja bekanntlich gar nicht so einfach, sich als Triathlonanfänger im Materialdschungel zurecht zu finden. Was ist ein „must have“ und was eher  ein „nice to have“? Geh ich zum Händler oder kaufe ich online ein? Unser Rookie Jan berichtet, was er in Sachen Bike, Neo und Laufschuhe unternommen hat, um gut ausgerüstet in seine erste Triathlonsaison zu starten.

Als allererstes musste ein neues Bike her. Zuerst wollte ich mir ein Carbonrahmen mit einer guten Ausstattung und schickem Design zulegen. Nach kurzer Überlegungsphase hab ich mich dann aber doch für einen Alurahmen entschieden – ist vielleicht Bandscheibenschonender für mich, dachte ich mir dabei. Dafür hab ich mir gleich die Di2 Ultegra von Shimano gegönnt. Eine sehr gute Entscheidung, die ich jedes mal wieder so treffen würde. Allerdings war ich am Anfang mit der richtigen Einstellung des Rades komplett überfordert. Jeder aus meinem Bekanntenkreis kam mit einem anderen Rat ums Eck. Ich beschloss meinem geschundenen Rücken und meinem operierten Knie besser keine Experimente mehr zuzumuten und gleich jemand wirklich kompetenten in Sachen Radeinstellung zu fragen.

Eine professionelle Radeinstellung, hilft Probleme zu vermeiden
Zum Glück hatte ich im Frühjahr 2014 das Glück, einen Termin bei Utz Brenner zu bekommen und durch ihn meinen Renner richtig und auf meine Bedürfnisse anzupassen. Was wirklich gut und lehrreich war, denn Utz – selbst erfahrener Triathlet und Trainer – hat mich und mein Rad quasi einmal auf den Kopf gestellt und die folgenden Punkte genauer unter die Lupe genommen:

  • Zu Beginn wird immer die körperlichen Voraussetzungen wie Beweglichkeit, Beinlängendifferenz/ Beckenschiefstand etc. geprüft .
  • Weiter werden die sportlichen Ziele, die „Verletzungsvergangenheit“ und Ausdauerjahre genauer hinterfragt.
  • Der Start der Radeinstellung ist danach immer das „Sitzen selbst“. Das heißt die Überprüfung des Sattels. Hat dieser die richtige Größe/Passform?
  • Dann geht an die richtige Sitzhöhe. Wichtig sind hier zwei Aspekte. Reduzierte Belastung für die Gelenke bei gleichzeitiger, optimaler Kraftübertragung (Biomechanik).
  • Im Anschluss an die richtige Sitzhöhe wird der Abstand zum Lenker genauer betrachtet. Ziel ist es, die richtigen Winkel am Oberarm/Oberkörper (beim Zeitfahrrad kommt Oberarm/ Unterarm mit dazu) zu erreichen. Natürlich sind auch eher banale Dinge, wie das optimale Erreichen der Bremsen, eine komfortable Griffhaltung am Lenker etc. wichtig.
  • Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die sogenannte T-Achse. Der Blick von vorne auf die Beinachse (Hüfte-Knie-Fussgelenk). Ziel ist hier, eine gerade Beinachse zu erreichen. Unter Umständen muß mit Sohlen und Keilen gearbeitet werden. Auch die Position der Cleats wird überprüft und in der Regel auf eine „neutrale Stellung“ angepasst.
  • Während der gesamten Radanpassung wird auf die richtige Lastenverteilung zwischen Sattel, Lenker und Pedale geachtet. Hier spielen Radgeometrie, Verletzungsvorgeschichte und das Ziel (Langdistanz, Mittel- oder Kurzdistanz) eine wichtige Rolle und sollt nicht unberücksichtigt bleiben.

Utz hat bei mir wirklich noch einiges optimieren können. Mein Rad und ich sind mittlerweile ziemlich gute Freunde und mein Rücken und die Knie danken es ihm auch. Ich kann jedem ambitionierten Radfahren nur eine professionelle Radeinstellung ans Herz legen. Das schadet nie.

Augen auf beim Schuhkauf
Auch meine Laufausrüstung musste ich dringend auf den neuesten Stand bringen, denn außer einem relativ alten Paar ausgelatschter Joggingschuhe war da nicht viel vorhanden. Gehört hatte ich zumindest schon, dass zwei verschiedene Paar Laufschuhe bei öfterem Gebrauch nicht verkehrt wären und diese je nach Fuß, Laufstil, Strecken, Verletzungsproblemen sehr individuell gewählt werden sollten. Auch ein schickes leichtes Paar Wettkampfschuhe wollte ich mir zulegen und ging nach der Radeinstellung direkt weiter zu Annette Mack die in Filderstadt-Sielmingen mit dem Laufshop „Freilauf Fildern“ in der Region eine gute Adresse für Läufer und Triathleten ist. Annette ist selbst seit Jahren eine sehr erfolgreiche Läuferin und Triathletin und weiß, genau, welche Fragen sie stellen muss, um den passenden Schuh für jeden Läufertyp zu finden. Sie arbeitet zudem mit Achillex als Laufberatungssystem, was das eher ungewohnte und auch unnatürliche Laufen auf dem Laufband samt Analyse ersetzen soll. Achillex misst und analysiert die Abrollbewegung des Fußes während der Bewegung. Sehr empfindliche Sensoren an Bein und Schuh zeichnen das Bewegungsverhalten während des Laufs auf. Der Laufstil ergibt sich aus einem komplexen Zusammenspiel des gesamten Körpers einschließlich Fuß, Bein, Hüfte und Wirbelsäule, die auf diese Weise vom System erfasst werden. Die dynamische Messung des komplexen Zusammenspiels von Schuh und Fuß unter Einbeziehung von Pronations- und Stoßkraftverlauf ermöglicht eine abgestimmte Beurteilung und bildet die Basis für die richtige Schuhempfehlung.

Zwei paar neue Laufschuhe waren nach dieser Beratung mein und auch das kann ich jedem Triathlonanfänger nur empfehlen: Lasst euch vernünftig und kompetent Beraten und kauft eurer Schuhe nicht einfach nur nach Optik und Preis! Eure Füße, der Rücken und eure Gelenke werden es euch danken.

Ein Neo muss her
Die nächste größere Investition ist, wenn man wirklich ein paar Triathlon-Rennen absolvieren möchte, ein Schwimmneoprenanzug. Ich kannte das schwere, unflexible und ungeliebte Stück Gummihaut schon vom Kitten – dachte ich zumindest. Die neuen stylo Hightech-Neos sind aber leider wirklich sehr sehr geil und kein Vergleich zu einem Surfneo. Probeschwimmen ist übrigens ungemein wichtig und auch hier gilt, lieber ein paar Euro mehr ausgeben, wenn der vermeidlich günstigere nicht richtig passt, denn eine gute Passform trägt immens zum Wohlfühlfaktor im Wasser bei. Das heisst für mich, nichts zwickt, scheuert und meine Bewegungsfreiheit wird nicht mehr als nötig beeinträchtigt. Ein schöner Nebeneffekt ist, der Neo lässt mich gefühlt doppelt so schnell schwimmen und ich halte viel länger durch.

Übrigens, mein nächster Triathlon findet bereits am kommenden Wochenende statt. Ich starte dieses Mal über die Kurzdistanz Ingolstadt und bin wirklich schon sehr gespannt, was mich da erwartet. Also bitte, schön die Daumen drücken. Danke und cheers!

Text: Jan Bartols
Fotos: Privat