Rookie Jan goes Challenge Rimini (III)

Heute rede ich mal Tacheles. Wie war denn nun mein erster Triathlon? Welche Erfahrungen habe ich gemacht? Schließlich ist das erste Mal ist ja bekanntlich nicht immer einfach … und es läuft auch selten so, wie man es sich vorstellt.

Nach 9 Stunden fahrt von Stuttgart nach Rimini, bin ich am Donnerstag in der Nacht nur noch ins Bett geplumpst. Freitag war die Bettruhe ziemlich  früh beendet, denn ich musste ja gleich die Gegend checken und mit einer kleinen Schwimmeinheit das Meer erkunden.

Ich war ja schon oft am und auf dem Meer, aber im Neo eine Viertelstunde mit den „Wellen“ kämpfen, ist wirklich eine ganz andere Nummer. Beim Schwimmen ist mir bisher jedenfalls noch nie schlecht und schwindelig geworden. Die Betonung liegt auf bisher. Na ja, diese Erfahrung trug jetzt nicht unbedingt dazu bei, meine Zuversicht am Vorrenntag zu stärken. Allerdings hat auch niemand behauptet, dass alles nur lustig werden würde. Und Herausforderungen find ich ja grundsätzlich gut. Nach dem Schwimmen hüpfte ich kurz in die Laufschuhe, um mein Gleichgewicht wieder an festen Boden zu gewöhnen und mein neues tritime-Wettkampfoutfit zu testen … und schon war die Welt wieder in Ordnung. Am Nachmittag wurde mir dann mein Wettkampfrad von Colnago überreicht. Ehrlich, ein geiles Gerät. Alles aus Carbon und sogar mit elektronischer Schaltung.  „Das fährt sicherlich ganz von alleine über den Radkurs“, stellte ich grinsend fest, als ich es auf mich einstellte.

Gesundheitscheck
Danach gings zum Gesundheitscheck. Ja, Ihr lest richtig, denn in Italien gibt es seit Neuestem ein Gesetz, dass Hobbysportler ohne Triahtlonstartpass vorschreibt, sich einem Gesundheitscheck zu unterwerfen. Ohne Attest kein Start. Und die Italiener nehmen das wirklich ernst. Das heißt, wir reden hier nicht von einem feuchten Händedruck und einmal tief in die Augen schauen. Ich wurde wirklich komplett durchgecheckt: Lungenfunktionstest, Lungen- und Herzkontrolle, bis hin zum kleinen „Leistungs-EKG. Wäre ich schon 40, hätte ich einen kleinen, aber harten Maximaltest machen dürfen. Schön war, ich durfte mich vor der kompletten Mannschaft entblößen und zum Kasper machen – egal, mach ich ja immer wieder gerne. Zum Glück war alles in Ordnung und meinem ersten Triathlonstart stand nun definitiv nichts mehr im Wege.

Letzte Vorbereitungen
Nach einer echt lustigen und guten Pasta Party ging es recht spät zurück ins Hotel, um alle Wettkampfutensilien zu packen, und alle Startnummern am richtigen Platz zu positionieren,. Das ist beim ersten Mal gar nicht so einfach. Nach einer recht kurzen Nacht mit vielen Gedanken an die raue See ging es mit gepackten Rucksack auf dem Rad zur Wechselzone, wo ich mich zum einen an den anderen Startern und deren Aufbau und Anordnung orientierte, und zum anderen brav die Anweisungen von meinem Coach befolgte. Das bedeutet: Bike am Sattel aufhängen, den Helm auf dem Lenker platzieren, Sonnenbrille an den Helm stecken, Startnummernband unter den Helm legen, Radschuhe und Laufschuhe vors Bike stellen. Neopren, Schwimmbrille und Badekappe mit aus der Wechselzone nehmen und ja nicht den Chip vergessen. Danach ging es zur Startzone an den Strand und eine Runde warmschwimmen. Dann ging alles ganz schnell.

Startschuss
Ruckzuck stand ich mit nervösem Puls an der Startlinie, wo eine Menge Leute ganz viel auf italienisch erklärten. Auf meine Bemerkung, dass Englisch ja auch ganz nett wäre, gab es nur so was wie „brebrebre Katze brebräbrääää“ zurück. Na dann, also auf in die hintere Startreihe und dabei nicht aus Versehen im Gewusel auf so einen kleinen Italiener im Neopren treten. Dann ging es auch schon los. Nach den ersten 20 Metern im Lauf-Spring-Schwimm-Lauf-Stil – das Wasser war so lange flach – kam ich endlich ins Gleiten und wollte mich auf mein Ding konzentrieren. Nachdem ich den zweiten Fremdkörper an meinem Köper spürte, musste ich dann aber doch mal gucken, was da los war. Ich bin doch tatsächlich fast im 90-Grad-Winkel zu allen anderen geschwommen und das auch noch mitten ins Feld rein. Also schnell hart Steuerbord und Gas gegeben, nur um mich nach 20 Sekunden wieder auf dem gleichen Kurs zu finden. Ich dachte mir, „was ist denn das für eine Monsterströmung hier?“, aber anscheinend trat die nur bei mir auf. Ich hab dann versucht, des öfteren nach dem Weg zu schauen, an einen vernünftigen Schwimmrhythmus war so aber nicht zu denken. Der Kraftakt war trotzdem recht schnell vorbei, und ich konnte an Land torkeln. Ich war nicht mal Letzter, was an der Anzahl an Carbon-Rennräder in der Wechselzone auszumachen war.

Jiiipiiieeeh, cool, dann konnte jetzt der Radpart beginnen. Der Wechsel lief gut und ich fand gleich Anschluss an eine flotte Gruppe. Zu meinem Glück und Erstaunen war Windschattenfahren bei diesem Rennen erlaubt und ich konnte im Pulk mitradeln. Die erste von drei Runden lief super und ich konnte das Speed halten. Nach der Hälfte merkte ich, dass ich Energienachschub brauchte und warf das erste und einzige Gel in den Brennraum. Die Wirkung lies nicht lange auf sich warten und mit einem wirklich guten Gefühl ging es in die Wechselzone, um mich in die Laufschuhe zu werfen. Locker rannte ich aus der Wechselzone wieder raus. Aber was war das nur für ein Zwicken in der Magengegend?!? Egal, mit Schwung und guter Miene lief ich an den Zuschauern vorbei, um nach 500 Metern keine Luft mehr zu bekommen, was mich zum Gehen in gebückter Haltung zwang. Mist – Gehen! Wird schon gleich wieder besser, dachte ich mir, aber als es nach 3 Kilometer immer noch nicht besser wurde und mich nun auch wirklich jeder Italiener überholt hatte, schwand mein Gedanke an eine halbwegs gute Zeit. Auf der letzten Runde konnte ich dann doch endlich wieder so etwas wie laufende Bewegungen umsetzen und erreichte schließlich mit erhobenem Haupt glücklich das Ziel.

Im großen und ganzen war mein erster Start bei der Challenge Rimini eine wirklich gute und schöne Erfahrung. Und ich bin um die Erkenntnis reicher: alle drei Sportarten am Stück machen echt Spaß, haben aber auch ihre Tücken. Die Hauptsache ist, es hat Lust auf mehr gemacht. Mein nächster Wettkampf ist am 1. Juni-Wochenende: die Kurz-Distanz in Ingolstadt … und auf die ich bin jetzt richtig heiß.

Text: Jan Bartols